Viele Kultur- und Medieneinrichtungen setzen sich bereits mit ihrer eigenen Umwelt- und Klimabilanz auseinander und arbeiten systematisch an deren Verbesserung. Oft ist das auf engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückzuführen, die sich fortbilden und vernetzen. Damit es nicht bei einzelnen Projekten bleibt, setzt sich der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien für konsequentes Handeln ein. So schafft er gezielt Anreize für einen ressourcen- und klimaschonenden Betrieb und macht aber auch verbindliche Vorgaben.
Bereits seit 2020 bilden messbare Ziele zur Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit eine Voraussetzung dafür, dass Projekte, Initiativen und Einrichtungen aus dem Bundeskulturetat gefördert werden.
Im September 2023 wurde die von BKM geförderte Green Culture Anlaufstelle gegründet. Sie unterstützt die Kultur-, Kreativ- und Medienbranche auf dem Weg zu einem nachhaltigen und klimafreundlichen Betrieb. Kultureinrichtungen können sich dort über betriebsökologische Fragen informieren und beraten lassen – etwa zur Umsetzung konkreter Maßnahmen, zur Erstellung von Klimabilanzen, aber auch zu Weiterbildungs- und Kooperationsmöglichkeiten.
Seit 2024 organisiert die Green Culture Anlaufstelle jährlich ein mehrtägiges Festival, um Engagierte aus allen Teilbereichen von Kultur und Medien, Wissenschaft, Wirtschaft sowie Politik und Verwaltung zusammenzubringen. Nach der ersten Ausgabe zum Thema „Klimafolgenanpassung“ im Park Sanssouci in Potsdam fand im Juni 2025 in Essen die zweite Edition zum Handabdruck der Kultur und der Frage „Wer wollen wir gewesen sein?“ statt.
Klimabilanzen im Kulturbereich waren bislang kaum vergleichbar. Daher haben sich Bund, Länder und Kommunen 2023 auf Klimabilanzierungsstandards verständigt und diese 2025 weiterentwickelt. Grundlage war der Vorschlag eines vom BKM und dem Land Baden-Württemberg gemeinsam eingerichteten Expertengremiums für einheitliche CO2-Bilanzierungsstandards. In diesem Zuge wurde auch ein Tool veröffentlicht, das auf diesen Standards basiert und es Kultureinrichtungen ermöglicht, ihre CO2-Emissionen selbst zu berechnen.
Weitere Informationen zum CO2-Bilanzierungsstandard und dem dazugehörigen CO2-Rechner finden Sie auf der Website des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg und auf der Website der KMK.
Im Mai 2023 hat eine Arbeitsgruppe aus Museumsfachleuten sowie Expertinnen und Experten bei der Jahrestagung des Deutschen Museumsbunds einen BKM-geförderten Leitfaden vorgestellt, der erstmals ökologische Mindeststandards für Museen in Deutschland formuliert und dabei umfassende praktische Handlungsempfehlungen gibt.
Darauf aufbauend, entwickelt der Deutsche Museumsbund mit Museumsvertreterinnen und -vertretern sowie weiteren Fachleuten bis Ende 2025 eine museumsspezifische Nachhaltigkeitszertifizierung. Diese soll auf die besonderen Anforderungen der Museumslandschaft eingehen und die Museen bei ihren vielfältigen Aktivitäten im Bereich der Nachhaltigkeit wirkungsvoll unterstützen. Ziel ist es, Elemente aus diesem Pilotprozess auch auf andere Bereiche aus Kultur und Medien zu übertragen.
Im Rahmen eines BKM-geförderten Projekts hat der Bundesverband Soziokultur ökologische Mindeststandards speziell für Soziokulturelle Zentren entwickelt. Diese wurden im Juli 2025 veröffentlicht und sind unter www.soziokultur.de abrufbar. Sie orientieren sich an typischen Angebotsformaten Soziokultureller Zentren und wurden mit zwölf Einrichtungen auf ihre Praxistauglichkeit getestet. In drei verschiedene Anforderungsstufen gestaffelt, bieten sie Orientierung sowie praxisnahe Vorschläge zur konkreten Verbesserung der Ökobilanz, die Einrichtungen je nach organisatorischen Möglichkeiten und Rahmenbedingungen umsetzen können.
Darüber hinaus fördert BKM seit 2024 die Erstellung einer Energiestudie der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft (DTHG). Dabei werden die realen – oft unerkannten – Energie-verbräuche an mehreren Theaterhäusern in ganz Deutschland untersucht. Ziel des Projekts ist es, Möglichkeiten zu erfassen, wie Kulturgebäude energetisch optimiert werden können. Die Ergebnisse sollen in einem Handlungsleitfaden festgehalten und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.
Zudem ist mit Unterstützung von BKM das Toolkit „Nachhaltig produzieren“ entstanden. Der Bund Freie Darstellende Künste (BFDK) hat es zusammen mit Verbänden, Produktions- und Spielstätten sowie Künstlerinnen und Künstlern erarbeitet. Das Toolkit umfasst über 200 praxisnahe Maßnahmen, die nachhaltiges Handeln im Produktionsalltag freier darstellender Künste unterstützen. Es ist unter www.darstellende-kuenste.de abrufbar.
In seinen Filmförderregularien hat der Bund frühzeitig übergreifende Impulse für eine ressourcenschonendere audiovisuelle Produktion gesetzt. So werden schon länger die Kosten für eine ökologische Beratung als zuwendungsfähige Herstellungskosten anteilig bezuschusst. Zudem berücksichtigt die Filmförderungsanstalt (FFA) bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben bereits seit einigen Jahren ökologische Belange.
Um dauerhaft wirksame Strukturen für die ökologisch nachhaltige Produktion audiovisueller Inhalte in Deutschland zu schaffen, hat BKM weitere Maßnahmen ergriffen. Gemeinsam mit den Filmförderungen der Länder, der FFA sowie dem Arbeitskreis Green Shooting hat sie bundesweit einheitliche ökologische Standards für die audiovisuelle Produktion entwickelt. Die ökologischen Standards wurden im Laufe des Jahres 2023 in allen Filmförderungen von Bund und Ländern als verbindliche Fördervoraussetzungen eingeführt.
Zudem wird seit 2022 jedes Jahr ein Preis für nachhaltige Filmproduktionen verliehen. Mit dem „Eisvogel“ werden Produktionen prämiert, die nicht nur die ökologischen Standards der Filmproduktion erfüllt haben, sondern ihre Umweltbelastungen durch besondere zusätzliche Maßnahmen erfolgreich reduzieren konnten. Die Auszeichnung in zwei Kategorien wird in Kooperation mit BKM vom Bundesumweltministerium und der Heinz Sielmann Stiftung vergeben.
Schließlich wirkt der BKM in seinem eigenen Verwaltungshandeln auf mehr Nachhaltigkeit hin. Derzeit führt er ein Umweltmanagementsystem nach EMAS mit abschließender Zertifizierung ein. Als Teil der Bundesverwaltung hat er sich vorgenommen, bis 2030 klimaneutral zu arbeiten.
Im Programm „SIN – Start in die Nachhaltigkeit“ der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel erhielten Kultureinrichtungen eine betriebsökologische Beratung. Diese ermöglichte ihnen, eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln und selbstverantwortlich umzusetzen.
Das digitale Guidebook „Labor Tempelhof“ der Cradle to Cradle NGO bereitet die Ergebnisse eines Praxisversuchs auf, bei dem die Bands „Die Toten Hosen“ und „Die Ärzte“ bei mehreren Konzerten Kreislaufwirtschaftsprozesse testeten. Es wurde durch BKM gefördert und auf Deutsch und Englisch online verfügbar.