Das Bundesarchiv ist das nationale Zentralarchiv der Bundesrepublik, es versteht sich als Gedächtnis der Gesellschaft. An seinen deutschlandweit 23 Standorten sichert es die Unterlagen des Bundes und seiner Vorläuferinstitutionen. Zur Einrichtung gehört auch das Stasi-Unterlagen-Archiv und die Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR. Der Hauptsitz des Bundesarchivs ist in Koblenz.
Das Bundesarchiv treibt die Digitalisierung kontinuierlich voran. Pro Jahr werden etwa 20 Millionen Aktenseiten und 4.000 Filmrollen digitalisiert – Tendenz steigend.
Quelle: BArch, B 198 Bild-2020-1019-002/Nobel, Jürgen
Aufgabe des Bundesarchivs ist es, die Unterlagen vor allem der Bundesverwaltung, der DDR, der Besatzungszonen und des Deutschen Reiches aufzubewahren, zu erhalten und nutzbar zu machen – immer stärker auch in digitaler Form. Darüber hinaus sammelt und archiviert die Einrichtung Unterlagen von Verbänden, Vereinen und bedeutenden Personen der Zeitgeschichte.
Stasi-Unterlagen-Archiv, SAPMO und Berlin Document Center
Auch die Unterlagen aus dem ehemaligen Berlin Document Center (BDC), in dem unter anderem die zentrale Mitgliederkartei der NSDAP verwahrt wurde, sind im Bundesarchiv beheimatet.
Zudem ist dem Bundesarchiv die Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO) zugeordnet. Sie macht die Unterlagen der zentralen Leitungsebenen der Parteien, Gewerkschaften und Massenorganisationen der DDR zugänglich.
2019 wurden die Unterlagen der ehemaligen Deutschen Dienststelle (WASt) als Abteilung PA (Personenbezogene Auskünfte zum Ersten und Zweiten Weltkrieg) in das Bundesarchiv eingegliedert.
Darüber hinaus hat das Bundesarchiv seit 2021 die Verantwortung für das Stasi-Unterlagen-Archiv inne.
Recherchieren im Bundesarchiv
Allein 540 laufende Kilometer Schriftgut werden an den neun Standorten des Bundesarchivs sowie den 14 weiteren Standorten des Stasi-Unterlagen-Archivs aufbewahrt. Hinzu kommen Bilder, Karten, Plakate, Filme und Tonaufzeichnungen in analoger und digitaler Form, die dort vor Ort unter Beachtung der im Bundesarchivgesetz festgelegten Bestimmungen einsehbar sind.
Daneben findet sich auf der Internetseite des Bundesarchivs eine Rechercheplattform mit Online-Übersichten der Bestände und Findbücher sowie einer Bilddatenbank. Der Zugang zu den Stasi-Unterlagen wird nach Maßgabe des Stasi-Unterlagen-Gesetzes an den Standorten des Archivs gewährleistet.
Digitalisierung im Bundesarchiv
Das Digitalisieren von Archivgut ist inzwischen ein Schwerpunkt der Arbeit des Bundesarchivs. Nutzerinnen und Nutzer können zeit- und ortsunabhängig immer mehr digitalisierte Akten, Fotos und andere Quellen einsehen. Nach thematischen Gesichtspunkten geordnet, werden Unterlagen zur Geschichte online zur Verfügung gestellt.
Zusätzlich wurde aus Dokumenten des Reichskolonialamtes im Rahmen eines Pilotprojekts mit Künstlicher Intelligenz Sütterlinschrift lesbar und vor allem durchsuchbar gemacht.
Einblicke in das Bundesarchiv
Über 15 Millionen Fotos, Luftbilder und Plakate im Bundesarchiv dokumentieren die Geschichte der deutschen Gesellschaft, ihre wichtigsten politischen, wirtschaftlich-sozialen und kulturellen Ereignisse – hier den Kniefall des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt 1970 in Warschau.
Bundesregierung, B 145 Bild- 00004655/Reineke, Engelbert
Im Kartenbestand wird auch die koloniale Vergangenheit Deutschlands mit ihren bis in die Gegenwart zu spürenden Auswirkungen dokumentiert. Rund zwei Millionen Karten, Pläne und technische Zeichnungen befinden sich in den Beständen des Archivs.
BArch, R 1001/931 K 1
Auch über die deutsche Filmgeschichte kann man im Bundesarchiv viel erfahren. Zu den über 337.000 gesammelten Werken zählen Filme aller Genres, wie Dokumentarfilme, Wochenschauen, Spielfilme, Experimentalfilme, Trick- und Kinderfilme ebenso wie Informations- und Lehrfilme sowie Amateurfilmaufnahmen.
BArch/ Luck
Einen Schwerpunkt der Arbeit bildet inzwischen das Digitalisieren von Archivgut. Dadurch können die Nutzerinnen und Nutzer online immer mehr digitalisierte Akten, Fotos und andere Quellen einsehen, darunter auch die Akten des Reichskolonialamtes. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz wurde im Rahmen eines Pilotprojekts in ausgewählten Dokumenten des Reichskolonialamtes Sütterlinschrift lesbar und vor allem durchsuchbar gemacht.
BArch/ Banse, Inger
Viele Menschen recherchieren im Bundesarchiv, um Familienforschung zu betreiben. Jährlich gehen etwa 56.000 Anträge dazu ein. Für die Klärung von Einzelschicksalen sind insbesondere die Bestände der Abteilung Personenbezogene Auskünfte zum Ersten und Zweiten Weltkrieg mit Sitz in Berlin-Tegel von Interesse.
BArch/ Placek
Das Berliner Stasi-Unterlagen-Archiv im Stadtteil Lichtenberg hält alle Unterlagen der Ministeriumszentrale des MfS sowie der beiden MfS-Bezirksverwaltungen (BV) Berlin und Potsdam bereit. Zudem bietet es ein breites Programm an Ausstellungen, Führungen, und Veranstaltungen – im Sommer beispielsweise die Reihe „Campus-Kino“. Von Chemnitz bis Suhl gibt es weitere 13 Standorte des Stasi-Unterlagen-Archivs.
BStU/ Dronebrothers
Das Bundesarchiv stellt seine vielfältige Arbeit und seine Quellen in Ausstellungen, Publikationen, Archivführungen, Vortrags-, Film- und Fachveranstaltungen vor. Für Lernende und Lehrende bietet das Bundesarchiv zudem als außerschulischer Lernort spezielle Programme an verschiedenen Orten in ganz Deutschland an, zum Beispiel in Rastatt, Erinnerungsort an die Revolution von 1848/49.
Die Akten des Staatssicherheitsdienstes belegen eindringlich die rechtsstaatswidrigen Überwachungs- und Verfolgungsmethoden des SED-Regimes. Seit 2021 gehört das Stasi-Unterlagen-Archiv zum Bundesarchiv.