Erinnerung braucht Stimmen

Holocaust-Gedenktag

Am 27. Januar erinnerte Deutschland an die Opfer des Nationalsozialismus. Mit Blick auf die wachsenden antisemitischen Ressentiments in unserer Gesellschaft mahnte Staatsminister Weimer: „Erinnerung ist kein Archivgut. Sie ist der Herzschlag unserer demokratischen Identität.“ Mit Kranzniederlegungen hat er der Opfer an den zentralen Denkmälern in Berlin gedacht.

Rot-gelbe Rosen liegen auf einer Betonstele im Schnee.

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau; seit 2005 wird an diesem Tag auch international der Opfer des Holocaust gedacht.

Quelle: Tobias Bohm

„Sie haben das Unvorstellbare überlebt.“ Mit diesen Worten würdigte der Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer die Holocaust-Überlebende Tova Friedman bei der zentralen Gedenkveranstaltung der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (HdG) im Tränenpalast in Berlin, die am Vorabend des Gedenktags stattfand. 

1938 nahe Danzig in eine jüdische Familie geboren wurde Tova Friedman im Alter von fünf Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Vermutlich aufgrund eines technischen Defekts überlebte sie die Gaskammer, bei den Todesmärschen im Januar 1945 konnte sie sich zwischen Leichen verstecken.

Als eine der wenigen noch lebenden Zeitzeuginnen des nationalsozialistischen Vernichtungswerks hat Tova Friedman es sich zur Aufgabe gemacht, junge Menschen über den beispiellosen Zivilisationsbruch des Holocaust aufzuklären. Gemeinsam mit ihrem Enkel Aron Goodman betreibt sie einen TikTok-Kanal, über den sie rund 520.000 Follower erreicht. 

„Sie haben sich nicht damit begnügt, zu überleben. Sie haben sich entschieden, zu leben – und zu sprechen“, so Weimer. „Als Staatsminister für Kultur und Medien, aber auch als deutscher Staatsbürger, erfüllt mich das mit großer Demut.“

Internationales Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Tova Friedmans Stimme steht für millionenfaches Leid. „Voller Schmerz gedenken wir dieser Tage der sechs Millionen Jüdinnen und Juden und aller weiteren Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“, so der Staatsminister. 

Im nationalsozialistischen Deutschland und im von Deutschland besetzten Europa wurden Jüdinnen und Juden verfolgt, vertrieben und systematisch ermordet. Ebenso betroffen waren Sinti und Roma, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen, Zeugen Jehovas, sogenannte „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ sowie politische Gegnerinnen und Gegner.
 

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog in Deutschland eingeführt. Seit 2005 – dem 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau – wird mit dem International Holocaust Remembrance Day am 27. Januar auch weltweit der Opfer des Holocaust gedacht.

Gedenkstätten leisten unverzichtbare Vermittlungsarbeit

Die Aufarbeitung der NS-Verbrechen sei eine permanente Aufgabe, betonte Staatsminister Weimer. „Die Bundesregierung und mein Haus werden deshalb nicht nachlassen zu erinnern, zu gedenken, zu mahnen und – das ist entscheidend – neue Formen des Erinnerns zu wagen.“

Einen zentralen Beitrag bei der Vermittlungsarbeit leisten die Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Deutschland. Mit der jüngst verabschiedeten Neufassung der Gedenkstättenkonzeption des Bundes wurde die Voraussetzung dafür geschaffen, die authentischen Orte zu stärken und die Erinnerungskultur in Deutschland fortzuentwickeln.

Staatsminister Weimer gedenkt in Berlin

Anlässlich des Holocaust-Gedenktags fanden in den bundesgeförderten Einrichtungen und Gedenkorten zahlreiche Veranstaltungen statt. In Berlin hat Staatsminister Weimer an vier zentralen Mahnmalen Kränze niedergelegt. 

Am 28. Januar nahm er zudem an der traditionellen Gedenkstunde des Deutschen Bundestages für die Opfer des Nationalsozialismus teil. Tova Friedman hielt die Gedenkrede.

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