Im Magdeburger Dom sind die Gebeine von Otto dem Großen feierlich wieder beigesetzt worden. Kulturstaatsminister Weimer warnt vor nationalistscher Vereinnahmung des historischen Herrschers.
Die feierliche Wiederbeisetzung wurde mit einem ökumenischen Festgottesdienst begleitet. Als Festredner nahmen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze sowie Staatsminister und Minister für Kultur, Rainer Robra, teil.
Blick auf das, was uns miteinander verbindet
Vor runde 600 Ehrengästen aus Politik, Kultur und Gesellschaft würdigte Staatsminister Weimer das Wirken des ostfränkischen Königs in einem von Konflikten geprägten Europa.: „Otto der Große steht wie kaum ein anderer für Stabilität und Kontinuität. Er war ein Großer, dessen Herrschaft auf Haltung und entschlossenem Handeln beruhte.“
Mit Blick auf die strategischen Bündnisse Ottos und seine enge Zusammenarbeit mit der Kirche betonte der Staatsminister: „Vor allem aber verstand er, dass Einheit nur geschaffen und bewahrt werden kann, wenn wir in unseren Nachbarn Freunde sehen, Verbündete suchen und den Blick auf das richten, was uns miteinander verbindet. Dieses Vermächtnis ist auch heute von Bedeutung. Es liegt an uns, es zu bewahren, weiterzutragen und lebendig zu halten.“
Keine politische Instrumentalisierung
Mit diesem Versprechen wandte sich der Staatsminister direkt an den großen Kaiser: „Sehr verehrte Majestät, wir schreiben Ihre Geschichte zu Ende und unsere Geschichte voran.“
Kulturstaatsminister Weimer warnte zugleich vor einer nationalistischen Vereinnahmung des historischen Herrschers. Otto sei kein „deutscher Kaiser“ mit einem völkischen Staatsbild gewesen. Vielmehr habe er sich als Europäer verstanden, geprägt von einem christlich-inklusiven Weltbild.
Otto I., genannt der Große, (912–973) ist als Wiederbegründer des antiken römischen Kaisertums eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Er setzte sich besonders für Magdeburg ein und erreichte 968 die Gründung des Erzbistums, wodurch die Stadt wirtschaftlich und kulturell an Bedeutung gewann. Nach seinem Tod wurde Otto I. im Magdeburger Dom neben seiner Frau Editha bestattet. Sein Grabmal steht seit dem 13. Jahrhundert zentral im Chor des Doms.
Nach dem feierlichen Gottesdienst nutzten Hunderte Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, das noch geöffnete Grab zu besichtigen, bevor die Grablege mit der tonnenschweren Marmorplatte wieder versiegelt wurde.
Interdisziplinäres Team rettet historisches Grabmal
Am Grabmal Ottos I. war 2024 dringender Sanierungsbedarf festgestellt worden. Der historische Kalksteinsarkophag hatte erheblich unter der Last der antiken Marmorplatte gelitten. Über die Jahrhunderte hatte sie mit ihren 300 Kilogramm direkt auf die dünnen Wände der Steinhülle gedrückt. Zudem verursachten korrodierte Eisenklammern aus früheren Reparaturen große Risse, durch die Luft und Feuchtigkeit eindrangen. Der mittelalterliche Holzsarg im Inneren war im unteren Teil bereits stark zerfallen.
Im Zuge der Sanierung wurde der Untergrund des Standorts im Dom stabilisiert und der Sarkophag mit einer unsichtbaren Edelstahl-Tragkonstruktion ausgestattet, die künftig das enorme Gewicht der Deckplatte abfängt.