Weimer: Es darf kein Vergessen geben

Gedenken in Buchenwald

Vor 81 Jahren befreiten US-Truppen das Konzentrationslager Buchenwald, eines der größten auf deutschem Boden. Zum Jahrestag fand in der heutigen Gedenkstätte nahe Weimar eine Gedenkveranstaltung statt, an der Staatsminister Weimer gemeinsam mit Angehörigen ehemaliger Häftlinge teilnahm.

Wolfram Weimer bei seiner Rede während der Gedenkveranstaltung in Buchenwald
Quelle: picture alliance / dpa | Martin Schutt

Auch zwei der letzten Überlebenden des Konzentrationslagers waren zu der Gedenkfeier am 12. April angereist: der 99-jährige Andrej Iwanowitsch Moiseenko aus Belarus und der 98-jährige Alojzy Maciak aus Polen. Beide waren als junge Männer in Buchenwald inhaftiert. 

Vor Beginn der Veranstaltung hatte der Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer Gelegenheit, mit beiden Zeitzeugen zu sprechen und ihnen für ihr Kommen zu danken. „Es ist wichtig, dass wir in Ihrer Anwesenheit dieses Zeichen setzen, dieses Zeichen für Erinnerung und Würde“, sagte Staatsminister Weimer im Anschluss in seiner Rede. Es gehe um ein Zeichen, „dass wir die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen wachhalten müssen, dass es kein Vergessen geben darf, dass die Zeitzeugenschaft wichtig ist“, so Weimer.

Bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung hielt jedoch erstmals kein Überlebender die Ansprache, sondern mit dem Schauspieler Hape Kerkeling der Nachfahre eines Häftlings. Er berichtete eindrücklich von den Erfahrungen seines Großvaters, der das KZ Buchenwald überlebt hat, und verknüpfte dies mit einem Appell: „Demokratie lebt nicht vom Wegsehen, sondern vom mutigen Hinsehen. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass das ‚Nie wieder‘ kein Lippenbekenntnis bleibt, sondern unser täglicher Kompass ist“, so Kerkeling.
 

Das KZ Buchenwald war 1937 durch das NS-Regime in der Nähe von Weimar errichtet worden, um politische Gegner zu bekämpfen. Nach Kriegsbeginn wurden fast 280.000 Menschen aus ganz Europa und anderen Teilen der Welt dorthin verschleppt und in den 136 Außenlagern inhaftiert. Mehr als 56.000 von ihnen starben an Folter, medizinischen Experimenten und Auszehrung. Bei Kriegsende war Buchenwald mit seinen Außenlagern das größte KZ im Deutschen Reich.

Heute informiert eine Gedenkstätte über die NS-Verbrechen und ein später von der sowjetischen Besatzungsmacht auf dem ehemaligen KZ-Gelände errichtetes Speziallager. Sie wird gemeinsam vom Bund und dem Land Thüringen finanziert, Träger ist die 2003 gegründete Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.

Weimer verurteilt Angriffe auf Gedenkstätte

Die Aufarbeitung der NS-Gewaltherrschaft zählt zu den zentralen Aufgaben und Anliegen des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. „Gerade mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten stehen wir Deutschen verstärkt in der historischen Verantwortung, nicht nur an die Schicksale der Opfer zu erinnern, sondern weiterhin aufzuklären und ein Bewusstsein für die unmenschlichen Taten im Namen eines entfesselten Antisemitismus zu schaffen“, sagte Wolfram Weimer.

Gedenkstätten spielen dabei eine elementare Rolle. Mit der Neufassung der Gedenkstättenkonzeption, die das Bundeskabinett im November 2025 verabschiedet hat, bekennt sich der Bund zu einer vielfältigen Gedenkstättenlandschaft, die in die Breite der Gesellschaft wirkt.

Es erfülle ihn mit Wut, dass hier in Deutschland zunehmend rechtsextremistische Angriffe auf KZ-Gedenkstätten verübt werden, erklärte der Staatsminister. Auch die Gedenkstätte Buchenwald ist davon betroffen. Wolfram Weimer dankte vor diesem Hintergrund dem Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner und seinem Team für ihr Engagement gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus und ihre hervorragende Arbeit trotz aller Anfeindungen.

Die Gedenkveranstaltung wurde im Livestream auf der Website der Gedenkstätte Buchenwald sowie von MDR Thüringen übertragen und ist im Nachgang online verfügbar.

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