Im Berliner Tiergarten wurde das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas im Beisein von Staatsminister Weimer der Öffentlichkeit übergeben. Zu den Gästen der Veranstaltung zählten neben Bundestagspräsidentin Julia Klöckner auch eine Vielzahl von Angehörigen der Opfergruppe sowie der Künstler des Mahnmals, Matthias Leeck.
Staatsminister Weimer: „Wir schließen eine Lücke in unserer Erinnerungskultur.“
Zwischen den Bäumen des Berliner Tiergartens fällt in Höhe des Goldfischteichs ein Baum besonders ins Auge – eine mehrere Meter hohe Skulptur aus Bronze. Das neue Mahnmal erinnert an die Zeugen Jehovas, die im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.
Mit diesem Mahnmal erhalte eine lange Zeit weniger bekannte Opfergruppe des Nationalsozialismus einen sichtbaren Ort des Erinnerns und Gedenkens, erklärte Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer.
„Wir erinnern an Menschen, die sich in den 1930er Jahren – also mit als Erste – dem totalitären Anspruch der Nationalsozialisten widersetzt haben, die für ihren Glauben und ihre Überzeugung gelitten haben, die verfolgt und gejagt wurden, die Folter und Konzentrationslager erlitten, die umgebracht wurden“, so der Staatsminister.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden die Zeugen Jehovas ab 1933 im nationalsozialistischen Deutschland und ab 1938 im beherrschten Europa systematisch verfolgt. Mehr als 15.500 Frauen und Männer wurden inhaftiert, darunter rund 4.200 in Konzentrationslagern, wo sie mit dem sogenannten „lila Winkel“ gekennzeichnet wurden.
Mindestens 1.750 Zeugen Jehovas verloren ihr Leben. Darunter waren 282 Menschen, die wegen ihrer Kriegsdienstverweigerung hingerichtet wurden. Auch nach 1945 setzte sich die Diskriminierung fort; in der DDR wurde die Religionsgemeinschaft 1950 verboten.
Nach der Einweihung des Mahnmals tauschte sich Staatsminister Weimer außerdem mit 18 Jugendlichen aus, die Teil des Projekts „Gedächtnis der Namenlosen“ sind. Die Jugendlichen erarbeiteten ein digitales Wissensportal mit Biografien verfolgter Zeugen Jehovas.
Die Ergebnisse fließen in eine interaktive Karte ein, die zeitgleich mit der Einweihung des Mahnmals öffentlich zugänglich gemacht wurde und das Mahnmal digital ergänzt. Gefördert wird das Projekt von BKM sowie von der Stiftung EVZ im Rahmen des Programms „JUGEND erinnert vor Ort & engagiert“.
Das digitale Wissensportal, die interaktive Karte sowie mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Website Biographien verfolgter Zeugen Jehovas.