Rückgabe historischer Kulturgüter

Deutsch-polnische Kulturbeziehungen

Rund 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehren mehrere Kulturgüter nach Polen zurück. Im Bundeskanzleramt besiegelten Staatsminister Wolfram Weimer und die polnische Kulturministerin Marta Cienkowska in einer feierlichen Zeremonie die Übergabe der Objekte nach Polen.

Eine Deutschordensurkunde (Faksimile) sowie der Kopf des Heiligen Jakobus des Älteren.

Ein letztes Mal in Deutschland ausgestellt: Eine sogenannte Deutschordensurkunde (Faksimile) sowie der Kopf des Heiligen Jakobus des Älteren.

Quelle: BKM/ Photothek/ Amrei Schulz

Die offizielle Rückgabe der Kulturgüter erfolgte im Rahmen der 17. Deutsch-Polnischen Regierungskonsultationen. Während der Kopf des Heiligen Jakobus nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Marienburg verschwand, handelt es sich bei den 73 Pergamenturkunden um Kulturgüter, die während der Zeit des Nazi-Regimes kriegsbedingt entzogen wurden.

So unterschiedlich die Verlagerungskontexte der Kulturgüter sind, setzt die Bundesregierung mit diesen Rückgaben ein wichtiges Zeichen für die gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte mit Polen.

Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer betonte, dass diese Schritte „nicht nur symbolisch, sondern Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit“ seien und „ein neues Kapitel einer gemeinsamen Erinnerungskultur eröffnen“.
 

Urkunden aus der Zeit des Deutschen Ordens

Übergeben wurden 73 mittelalterliche Pergamenturkunden aus den Jahren 1215 bis 1466, darunter Rechtsdokumente wie päpstliche und kaiserliche Privilegien sowie Verträge zwischen Polen und dem Deutschen Orden.

Während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurden sie gezielt aus dem Warschauer Kronenarchiv entnommen. Über Umwege gelangten sie Ende der 1970er-Jahre ins Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, wo sie bis zuletzt aufbewahrt waren. Wegen der Lichtempfindlichkeit der Urkunden wurde während der Übergabe ein Faksimile ausgestellt. 
 

Steinerner Kopf des Heiligen Jakobus des Älteren

Zudem kehrt der Kopf einer Statue des Heiligen Jakobus des Älteren, entstanden um 1340, nach Polen zurück. Das Skulpturenfragment ist Teil einer lebensgroßen Ganzkörperfigur aus der Kapelle des Hochschlosses der Marienburg bei Danzig.

Nach der Zerstörung der Marienburg 1945 gelang der Kopf in den 1950er-Jahren nach Deutschland. 1958 wurde er mit Bundesmitteln vom Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg erworben und war bis zuletzt in der Dauerausstellung des Hauses zu sehen. 
 

Übergabezeremonie im Bundeskanzleramt

Bei der offiziellen Übergabezeremonie waren neben Staatsminister Wolfram Weimer und der polnischen Kulturministerin Marta Cienkowska auch Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Ministerpräsident Donald Tusk anwesend. Für die Unterschrift der Übergabevereinbarung der Pergamenturkunden waren außerdem die Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Marion Ackermann, und Vize-Präsident Gero Dimter gekommen.

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