Mit einem Festakt am 25. Juli sind die diesjährigen Bayreuther Festspiele gestartet. Das weltberühmte Opernfestival auf dem Grünen Hügel feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen und setzt sich dabei auch kritisch mit seiner Vergangenheit auseinander. Bundeskanzler Merz und zahlreiche Kabinettsmitglieder waren bei der Eröffnung dabei.
1876 fanden erstmals die Bayreuther Festspiele auf dem Grünen Hügel statt.
Seit 150 Jahren gibt es die Bayreuther Festspiele. Seither pilgern jedes Jahr Musikbegeisterte aus aller Welt nach Bayreuth, um die besondere Atmosphäre in Richard Wagners Festspielhaus zu erleben. Der Komponist hatte es eigens für die Aufführung seiner Opern entworfen. Doch im Vorfeld des diesjährigen Opernfestivals war eine Debatte um den Umgang der Festspiele mit Wagners politischen Ansichten und die enge Beziehung der Familie Wagner und der Festspiele zum NS-Regime entbrannt.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz ging darauf in seinem Grußwort bei der Eröffnungsfeier ein. „Richard Wagners Person und Werk stehen beispielhaft für Größe und Abgründigkeit der deutschen Verhältnisse in Kunst und Geschichte. Sie stehen für die sehr deutsche Kombination von höchst Bewunderungswürdigem und höchst Fragwürdigem in unserer Vergangenheit“, sagte der Bundeskanzler. Es sei gut, dass sich die Bayreuther Festspiele seit Jahren ihrer ambivalenten Geschichte gestellt hätten und sich ihr weiterhin stellen würden, betonte Friedrich Merz.
Neben dem Bundeskanzler und mehreren Bundesministern nahm auch der Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer am Festakt zur Jubiläumsausgabe teil. Auch Weimer unterstrich im Vorfeld die Bedeutung einer kritischen Auseinandersetzung mit Wagner und der Geschichte der Festspiele.
„Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1876 stehen die Festspiele für musikalische Exzellenz, für künstlerische Innovation und das trotz ihrer wechselvollen Geschichte und ihren problematischen Verstrickungen“, erklärte der Staatsminister. Es sei daher auch ein sehr wichtiges Signal, dass die Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman unmittelbar am Tag nach dem Festakt zum 150-jährigen Jubiläum stattfinde. „Denn sie setzt ein klares Zeichen gegen Antisemitismus“, unterstrich Weimer.
Zur Eröffnung wurde Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie aufgeführt – dirigiert von Christian Thielemann.
Quelle: Bayreuther Festspiele / Enrico NawrathAm Morgen nach der feierlichen Eröffnung fand im Festspielhaus das Gedenk- und Benefiz-Konzert „Verstummte Stimmen“ statt. Es erinnerte an jüdische Künstlerinnen und Künstler, deren Wirken auf dem Grünen Hügel durch Antisemitismus und Verfolgung ein Ende fand. Der Publizist Michel Friedman hielt dabei eine Gedenkrede, in der er sich der historischen Verantwortung der Bayreuther Festspiele widmete.
Michel Friedman nach seiner Rede beim Gedenk- und Benefiz-Konzert „Verstummte Stimmen“
Quelle: Bayreuther Festspiele / Enrico NawrathAuch Staatsminister Weimer war vor Ort. Michel Friedman habe den Finger in die Wunde der Erinnerungspolitik gelegt und habe damit eine große Versöhnungsgeste gelebt, die allen Beteiligten guttue, sagte Weimer im Anschluss über Friedmans Rede. Zugleich würdigte er die Festivalleiterin Katharina Wagner, die sich entschieden habe, die Erinnerungspolitik Bayreuths und der Familie Wagner neu zu definieren. „Das war nötig und richtig. Das ist ein guter Tag für Bayreuth und die Wagner-Tradition“, betonte der Staatsminister.
Insgesamt 29 Opernaufführungen werden bis zum 26. August bei den Festspielen präsentiert, darunter der „Ring des Nibelungen“ mit allen vier Werken und Künstlicher Intelligenz (KI). Durch KI-generierte Bühnenbilder wird hier auch die Rezeptionsgeschichte des „Rings“ in 150 Jahren Wagner-Festspiele erzählt. Erstmals in der Geschichte des Festivals wird in diesem Jahr zudem Wagners dritte Oper „Rienzi – der letzte Tribun“ auf die Bühne gebracht. Die Premiere der Neuinszenierung wurde im Rahmen einer Live-Übertragung in Kinos in Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert sowie als Livestream über die Deutsche Grammophon bereitgestellt.
Gleichzeitig öffnet sich das Festival mit verschiedenen kostenfreien Formaten für die Stadtgesellschaft. So wird es im Park unter dem Festspielhaus Open Air-Veranstaltungen mit dem Festspielorchester sowie ein Chor-Open Air geben. Auch eine Kinderoper sowie ein umfangreiches Begleitprogramm ist geplant. Für junge Menschen unter 25 Jahren gibt es außerdem ein Kontingent an Tickets zu günstigeren Preisen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Bayreuther Festspiele.