Während der NS-Gewaltherrschaft wurden zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern ihre Kunst- und Kulturgüter verfolgungsbedingt entzogen. Insbesondere Jüdinnen und Juden waren davon betroffen. Um die Aufarbeitung des NS-Kulturgutraubs zu stärken, haben Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände 2001 erstmals eine gemeinsame Handreichung veröffentlicht. Sie ist eine zentrale Leitlinie für die Umsetzung der Washingtoner Prinzipien und erscheint jetzt in einer grundlegend überarbeiteten Neufassung.
„Die überarbeitete Handreichung bündelt das Wissen und die Erfahrungen der letzten Jahre und schafft mehr Klarheit und Sicherheit in der Praxis“, erklärt der Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer anlässlich der Veröffentlichung. Außerdem unterstütze sie die Einrichtungen dabei, ihrer Verantwortung im Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut gerecht zu werden, so der Staatsminister.
Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände haben 1999 die „Gemeinsame Erklärung zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“ abgegeben. Alle öffentlichen Kulturgut bewahrenden Einrichtungen sind damit aufgerufen, ihre Bestände auf NS-Raubgut zu überprüfen und unklare oder zweifelhafte Erwerbsvorgänge offen zu legen. Die gemeinsame Handreichung soll dabei unterstützen. Sie erschien erstmals 2001 und wird seither laufend fortgeschrieben.
Gegenüber der letzten Aktualisierung von 2019 enthält die Neuauflage zahlreiche Neuerungen. Neben einer aktualisierten Kurzübersicht für Neueinsteigerinnen und -einsteiger gibt es ausführliche Hinweise zu gerechten und fairen Lösungen sowie erstmals eine Übersicht zentraler Ansprechpersonen.
Zudem berücksichtigt die Neufassung die Einrichtung der Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut, die am 1. Dezember 2025 ihre Arbeit aufnehmen wird. Sie enthält Informationen zum Verfahren der Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut wie auch zum Bewertungsrahmen für die Schiedsgerichte. Die Erläuterungen zum Bewertungsrahmen sind der Handreichung ebenfalls beigefügt. Der Bewertungsrahmen enthält Kriterien, anhand derer gerechte und faire Lösungen für heute noch offene Fälle ermöglicht werden.
Handreichung zum Download
Eine gedruckte Broschüre in deutscher Sprache wird in Kürze vorliegen und kann bereits jetzt kostenlos angefordert werden. Auch eine englischsprachige Fassung wird zeitnah als Online-Dokument verfügbar sein. Bitte wenden Sie sich an K47@bkm.bund.de.