Am 15. Januar 1990 stürmten tausende Demonstrantinnen und Demonstranten die Zentrale der Staatssicherheit der DDR in der Normannenstraße in Ost-Berlin. Mit ihrem entschlossenen Vorgehen trugen sie maßgeblich zur Rettung unzähliger Akten vor der weiteren Vernichtung durch die sich auflösende Staatssicherheit bei.
Was zunächst als friedliche Kundgebung der Bürgerbewegung „Neues Forum“ geplant war, mündete überraschend in der Erstürmung und Besetzung der Stasi-Zentrale.
Am 15. Januar jährt sich die Besetzung der Zentrale der Staatssicherheit der DDR in Berlin-Lichtenberg zum 36. Mal. Im Winter 1989/1990 stoppten couragierte Bürgerinnen und Bürger durch ihr entschlossenes Vorgehen die weitere Vernichtung vieler Geheimdienstakten.
Die Proteste und die anschließende Besetzung der Zentrale in der Normannenstraße bildeten den Höhepunkt einer Reihe von Besetzungen. Auch in Städten wie Erfurt, Leipzig, Rathenow und Rostock hatten DDR-Bürgerinnen und -Bürger Stasi-Dienststellen gestürmt und die systematische Aktenvernichtung durch die Stasi verhindert.
Anlässlich des Jahrestags dankte Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer den Menschen, die am 15. Januar 1990 und an den Tagen davor und danach großen Mut bewiesen haben: „Dieser Moment war ein Akt der Selbstbefreiung: Mit dem Ende der Stasi war der Weg in die Freiheit unumkehrbar – und die Diktatur endgültig überwunden.“
Die Erstürmung der Stasi-Zentrale war ein wichtiger Schritt im Prozess der Friedlichen Revolution. Daran erinnert das Bundesarchiv am 15. Januar 2026 mit einem Aktionstag unter dem Motto „Chronik einer Nacht“. Auf dem Gelände der Stasi-Zentrale können Besucherinnen und Besucher zwischen 12 und 21 Uhr an Führungen, einer Lesung mit Zeitzeugengespräch oder einem Vortrag mit Filmausschnitten teilnehmen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Bundesarchivs.
Die Stasi bezeichnete sich als „Schild und Schwert der Partei“. Von der ehemaligen Geheimdienstzentrale in Berlin-Lichtenberg aus sicherte die Staatssicherheit vier Jahrzehnte lang die Herrschaft der SED durch Bespitzelung, Zermürbung und willkürliche Inhaftierungen. In der zentralen Haftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Hohenschönhausen wurden politische Gefangene physisch und psychisch gefoltert.
Heute befindet sich am Ort des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit ein Standort des Bundesarchivs. Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit, seinen Informations- und Bildungsangeboten erreicht das dortige Stasi-Unterlagen-Archiv zahlreiche Menschen und leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur staatlichen und persönlichen Aufarbeitung des SED-Unrechts.
Zwischen 1990–2021 lag die Zuständigkeit für die Stasi-Unterlagen beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU). Seit 2021 ist das Stasi-Unterlagen-Archiv Teil des Bundesarchivs und liegt im Geschäftsbereich des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Auf der Grundlage des Stasi-Unterlagen-Gesetzes wurden die Akten im Jahr 1991 zugänglich gemacht. Privatpersonen, Forscherinnen und Forscher sowie Journalistinnen und Journalisten können die damals gesicherten Akten seitdem nach den Regelungen des Stasi-Unterlagen-Gesetzes (StUG) einsehen. Viele Opfer der SED-Diktatur konnten auf diesem Wege Anerkennung für ihr Leid geltend machen.
„Die konsequente Aufarbeitung des SED-Unrechts sowie die Vermittlung der Geschichte der SED-Diktatur – insbesondere an junge Menschen – sind für uns heute von zentraler Bedeutung“, betont der Staatsminister. „Sie ermöglichen ein Erinnern für eine Zukunft in Freiheit, Demokratie und Würde“, so Weimer.