Erinnern braucht Aufarbeitung

Topographie des Terrors

Mehr als 80 Jahre nach Kriegsende beschäftigt sich die neue Sonderausstellung im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors mit der Frage, was die Deutschen während der NS-Zeit wirklich über den Holocaust wussten. Staatsminister Weimer war bei der Ausstellungseröffnung am 24. März dabei.

Staatsminister Weimer spricht am Rednerpult im Rahmen der Ausstellungseröffnung

Mit rund 1,6 Millionen Besucherinnen und Besuchern im Jahr 2025 gehört das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors in Berlin-Kreuzberg zu den meistbesuchten Erinnerungsorten und Museen in Berlin.

Quelle: Sandra Kühnapfel / Stiftung Topographie des Terrors

Die neue Sonderausstellung „Der Holocaust – Was wussten die Deutschen?“ des Dokumentationszentrums Topographie des Terrors geht ebendieser Frage nach und richtet den Blick dabei besonders auf jene, die weder Täter noch Verfolgte waren. Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer nahm an der Ausstellungseröffnung teil. 

In seiner Rede dankte er allen Beteiligten und betonte: „Sie machen mit dieser hervorragenden Arbeit einen großen Dienst an unserer Erinnerungskultur.“ Die Ausstellung eröffne eine neue Dimension, da sie auch Nachgeborene betreffe, so Weimer weiter. Die Leitfrage „Was wussten die Deutschen?“ werfe zudem die Frage auf, was wir heute über den Holocaust wissen und wie wir auf Unrecht sowie Diskriminierung und Bedrohung von Jüdinnen und Juden reagieren.

Drei Perspektiven auf Wissen und Wahrnehmung

Die Ausstellung ist in drei thematische Bereiche gegliedert und zeigt im ersten Teil, „Propaganda“, welche Informationen das NS-Regime selbst über die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung verbreitete. 

Der zweite Teil, „Hinweise im Alltag“, nimmt Gerüchte und inoffizielle Nachrichten über die Massenmorde in den Blick. „Vom Puzzleteil zum Bild“ zeigt schließlich, wie einzelne Personen Informationen zusammenfügten, um sich ein Gesamtbild zu verschaffen. 

Rund 300 Exponate aus 95 Archiven, öffentlichen Sammlungen und aus privatem Besitz dokumentieren, dass das Wissen über den Holocaust weit verbreitet war. 

Erinnerung als Auftrag

Die Ausstellung belege auf beklemmende Weise, wie schnell aus Indifferenz Mitläufertum werden kann und wie schnell billigende Mitwisserschaft zu aggressiver Mittäterschaft führt, erklärte Staatsminister Weimer in seiner Rede.

Diese Erkenntnis gehöre zu den großen Verdiensten dieser Ausstellung. „Es gibt keine Rechtfertigung, keine Ausrede dafür, passiv zu bleiben, wenn wir Zeugen von Unrecht werden“, so Weimer.

Das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors informiert über die europaweit verübten Verbrechen des Nationalsozialismus. Die gleichnamige Stiftung betreut zudem das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide. Die Stiftung wird gemeinsam vom Bund und dem Land Berlin gefördert. 

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