Ein Vierteljahrhundert Weltliteratur

25 Jahre internationales literaturfestival berlin (ilb)

Am 11. September 2025 wurde im Haus der Berliner Festspiele das 25. internationale literaturfestival berlin (ilb) feierlich eröffnet. Zum Jubiläum bringt das Festival erneut rund 100 Autorinnen und Autoren aus aller Welt zusammen, um Berlin für einige Tage zum Zentrum der internationalen Gegenwartsliteratur zu machen. Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, würdigte in seiner Rede die große Bedeutung des ilb als Ort kultureller Begegnung, literarischer Vielfalt und politischer Reflexion.

Barbara Wahlster, Johannes Kister, Susie Ibarra, Cristina Rivera Garza, Wolfram Weimer, Lavinia Frey und Matthias Pees bei der Eröffnung des 25. internationalen literaturfestival berlin.

Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer bei der Eröffnung des 25. internationalen literaturfestival berlin (ilb).

Quelle: Charlotte Kunstmann

Staatsminister Weimer begann in seiner Rede mit einer Reaktion auf die Eröffnungsrede von Curator in Residence Cristina Rivera Garza. Er sprach von einer „poetischen Atemübung“ – oder vielmehr „atmender Poesie“ – die ihn dazu bewogen habe, seine geplante Rede beiseitezulegen. Anhand literarischer Bezüge zu Hölderlin und Rilke reflektierte er das Motiv des Atmens als Sinnbild für Menschlichkeit, Verletzlichkeit und schöpferische Freiheit – und verknüpfte es mit den politischen Herausforderungen unserer Zeit.

Politische Klarheit: Antisemitismus entschieden benennen

Weimer thematisierte die Zunahme von Antisemitismus – auch im Kulturbereich. Mit großer Deutlichkeit verurteilte er einen tagesaktuellen Vorfall, bei dem der Auftritt der Münchner Philharmoniker in Belgien abgesagt wurde, weil der jüdische Dirigent unerwünscht gewesen sei.

Er berichtete von politischen Gesprächen und medialem Einsatz gegen diesen Vorfall und zeigte sich dankbar, dass Berliner Kulturinstitutionen – darunter die Berliner Philharmoniker und das Konzerthaus – den Münchnern als Zeichen der Solidarität eine Einladung ausgesprochen hätten.

Künstliche Intelligenz und die Verteidigung geistiger Autonomie

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede war die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz. Weimer würdigte deren Potenzial, kritisierte jedoch scharf die aktuelle Praxis großer US-amerikanischer und chinesischer Unternehmen, literarische Werke und Wissensbestände ohne Zustimmung in ihre Systeme zu überführen. 

Er sprach von einem „Raubzug“ gegen das geistige Eigentum Europas und kündigte an, dass Deutschland und Europa diesen Entwicklungen mit klarer Regulierung, Urheberrechtsschutz und einem neuen kulturellen Bewusstsein entgegentreten werden.

Den Stream zur Eröffnung des ilb finden Sie hier: Festivaleröffnung

Forum für politischen Diskurs und kulturellen Austausch

Seit 25 Jahren begeistert das internationale literaturfestival berlin (ilb) Literaturbegeisterte aus aller Welt mit einem Programm, das alle Facetten der Literatur abbildet – von Prosa und Lyrik über Nonfiction und Graphic Novels bis hin zur Kinder- und Jugendliteratur.

Unter dem diesjährigen Motto „Glow“ reflektiert das Festival die Ambivalenzen unserer Zeit – Hoffnung und Gefahr, Schönheit und Schmerz – und macht deutlich, dass Literatur nicht nur beruhigt, sondern auch gesellschaftliche Realitäten sichtbar macht.

Weimer unterstrich, wie wichtig Orte wie das ilb seien, „an denen Verwunderung über das Andere, Toleranz und Freiheit gelebt werden“. Das Festival bleibe ein lebendiger Ort kultureller Auseinandersetzung und ein Ort für alle, die an die Kraft der Literatur glauben.

Vielfältiges und hochkarätiges Programm

Mit über 110 Veranstaltungen, darunter Lesungen, Panels, Performances und Workshops, präsentiert das Festival ein breites Spektrum literarischer Genres und Themen. Über 90 Autorinnen und Autoren aus 50 Ländern, darunter fünf Nobelpreisträgerinnen und -träger, verleihen dem Festival internationale Strahlkraft.

Besondere Höhepunkte bilden die Jubiläumslesungen mit Isabel Allende, Abdulrazak Gurnah, Mieko Kawakami, Herta Müller und Arundhati Roy. Neben renommierten Stimmen entdecken Besucherinnen und Besucher auch neue Talente. Das umfangreiche Kinder- und Jugendprogramm sichert zudem die literarische Nachwuchsförderung.

Formate wie der Graphic Novel Day, Literatur im Exil oder Solidaritätsveranstaltungen mit der Ukraine sowie die Festival Kitchen, die Begegnungen bei gemeinsamen Abendessen ermöglicht, bereichern das Festival und schaffen lebendige kulturelle Begegnungen.

Das internationale literaturfestival berlin findet jedes Jahr im September statt und wird über den Hauptstadtkulturfonds derzeit mit 660.000 Euro pro Jahr aus dem Etat des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

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