Ob das vielschichtige Verhältnis von Natur und Geschichte, die poetischen Welten Rainer Maria Rilkes oder das fotografische und filmische Werk von Wim Wenders – die Themenvielfalt in den Ausstellungen bundesgeförderter Einrichtungen ist groß. Deutschlandweit laden sie auch zu Beginn des Jahres dazu ein, ihre aktuellen Schauen zu entdecken. Eine Auswahl aus Weimar, Marbach, Lübeck, Bonn, Leipzig und Berlin.
Anlässlich seines 150. Geburtstag präsentiert das Buddenbrookhaus eine Sonderausstellung, die Thomas Manns Weg zum überzeugten Demokraten nachzeichnet. Anhand von Reden, Interviews, Artikeln, Essays und Tagebucheinträgen, aber auch seinem literarischen Werk zeigt sie seine Politisierung - von der Reichsgründung 1871 bis zur Teilung Deutschlands 1949 - und möchte damit zur Auseinandersetzung mit der Demokratie anregen.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 18. Januar 2026 in Lübeck.
Gleich zwei große Jahrestage geben derzeit Anlass, sich neu mit Rainer Maria Rilke zu beschäftigen: sein 150. Geburtstag und sein 100. Todestag. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres hat das Literaturmuseum der Moderne gerade die Ausstellung „Und dann und wann ein weißer Elefant. Rilkes Welten“ eröffnet. Anhand von rund 200 Exponaten zeigt sie die verschiedenen sozialen, intellektuellen und künstlerischen Welten, in denen der Autor lebte wie auch die Welten, die er literarisch schuf.
Die Ausstellung ist bis Januar 2027 auf der Schillerhöhe in Marbach zu sehen.
Was ist „Natur“? Wer definiert, was wir uns als Individuum und Gesellschaft unter „Natur“ vorstellen? Und wie hat sich diese Vorstellung im Lauf der Jahrhunderte verändert? Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum beleuchtet den Bedeutungswandel dieses vielschichtigen Konzepts im Lauf von 800 Jahren deutscher Geschichte – insbesondere auch seine Politisierung und Instrumentalisierung.
Die Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie – Macht“ ist noch bis zum 7. Juni 2026 in Berlin zu sehen.
2025 wäre der Journalist und Filmemacher Claude Lanzmann 100 Jahre alt geworden. Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin präsentiert aus diesem Anlass erstmals das Audio-Archiv zu seinem weltberühmten Dokumentarfilm „Shoah“ von 1985, einem eindringlichen, unverzichtbaren Zeugnis des Völkermords an den europäischen Jüdinnen und Juden. 152 Audiokassetten gewähren Einblicke in seine Arbeitsweise und die Entstehung seines epochalen Werks. Ergänzt wird die Ausstellung durch Objekte, Dokumente und Filmaufnahmen.
Die multimediale Ausstellung „Garden“ des Künstlers Georg Lutz setzt sich mit der Natur als stillem Zeugen historischer Gewalt auseinander und deren Resonanzen bis in die Gegenwart. Sie führt an Orte, an denen Natur historisch geformt und geprägt ist – in botanische Gärten, ehemalige Vernichtungslager und Gedenkstätten. Heck-Rinder, Überreste des Vernichtungslagers Sobibór, aber auch gefällte Gedenkbäume für die NSU-Opfer werden Gegenstand einer Reflexion über Natur als Ort der Erinnerung, Verdrängung und historischer Kontinuitäten.
Die Ausstellung ist noch bis 30. Januar 2026 in der Gedenkstätte Buchenwald zu sehen.
Die Ausstellung präsentiert die sehr persönlichen, therapeutisch entstandenen Werke der Malgruppe „Gegenwind“. Mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken setzen sich Menschen darin mit ihren Erfahrungen mit Unrecht, das sie in der DDR erlebt haben, sowie ihrem Umgang damit heute auseinander. Zugleich werden in den mal figürlichen, mal abstrakten Bildern ihre Perspektiven auf die Zukunft sichtbar.
Die Ausstellung „Dieses Unwahrscheinliche ist nicht darstellbar“ läuft noch bis zum 8. März 2026 in der Gedenkstätte Berliner Mauer.
Foto: Stiftung Berliner Mauer / A., Drei Vögel, 2024
Ostblicke. Fotografien
Wie stehen die Menschen in Ostdeutschland heute zu ihrer Heimat? Wie haben sich die Orte 35 Jahre nach der Wiedervereinigung verändert? Und wo bleiben Spuren der DDR sichtbar? Die Ausstellung geht diesen Fragen anhand von zwei Fotoserien von verschiedenen Künstlern nach - Sophie Kirchner und Philipp Baumgarten. Beide blicken aus ostdeutscher Perspektive auf Ostdeutschland und erzählen vom Gehen, Bleiben und Zurückkommen, von politischen Entwicklungen, Engagement und Alltag - gerade auch im ländlichen Raum.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. April 2026 im Museum in der Kulturbrauerei in Berlin.
Foto: Stiftung Haus der Geschichte / Stephan Klonk
Lovis Corinth und die Aktion „Entartete Kunst“
Lovis Corinth zählt zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Impressionismus. Anlässlich seines 100. Todestags widmet die Alte Nationalgalerie dem Künstler eine Ausstellung. Im Fokus steht das Schicksal seiner Werke im Nationalsozialismus, als zahlreiche seiner Bilder als „entartet“ eingestuft wurden. Die Schau zeigt den vollständigen Bestand der Nationalgalerie an Werken von Lovis Corinth, zahlreiche Werke seiner Frau, der Malerin Charlotte Berend-Corinth, – und erzählt zu jedem Werk, wie es ins Museum gelangte.
Die Ausstellung ist noch bis 25. Januar 2026 in Berlin zu sehen.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie / Jörg P. Anders
„Ratatouille“ mit Anna Haifisch
Mit dem Webcomic „The Artist“ gelang Anna Haifisch der internationale Durchbruch. Seither hat die Leipziger Zeichnerin und Künstlerin mit Schwäche für Nagetiere nicht nur für das New Yorker Museum of Modern Art, den Guardian, die ZEIT und Le monde diplomatique gearbeitet, sondern war auch in Ausstellungen in Straßburg und Hamburg zu sehen. Mit klarer Linienführung und Farbgebung, Melancholie und Humor reflektiert sie gesellschaftliche Fragen, Alltagsthemen und die Herausforderungen des Künstlerdaseins.
Ihre Arbeiten sind noch bis 30. Januar 2026 im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig zu entdecken.
454 Fotografien bieten neue Perspektiven auf das Werk von Diane Arbus – eine der visionärsten und einflussreichsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Die ikonischen Schwarz-Weiß-Fotografien zeichnen ein vielschichtiges Bild des US-amerikanischen Lebens der Nachkriegszeit. „Diane Arbus: Konstellationen“ im Gropius Bau ist die bislang umfassendste Ausstellung ihres Werks.
Die Schau ist noch bis 18. Januar 2026 in Berlin zu sehen.
Die neue Dauerausstellung im Haus der Geschichte lädt zu einer interaktiven Zeitreise durch die deutsche Geschichte seit 1945 ein. Über 3.800 Objekte, darunter eine Puppenwiege aus der Nachkriegszeit, ein selbst gebautes Fluchtflugzeug und das originale Grundgesetz von 1949 zeigen, wie sich Deutschland zu einer gefestigten Demokratie entwickelt hat.
Die Ausstellung ist seit Anfang Dezember 2025 in Bonn zu sehen.