Geschichte in Briefen, Pinguine im Museumsfoyer, Pastelle von Max Liebermann oder das Leben in der „Platte“: Die Ausstellungen bundesgeförderter Einrichtungen zeigen auch im Spätsommer die ganze Vielfalt von Kunst, Kultur und Zeitgeschichte. Entdecken Sie unsere Auswahl aus ganz Deutschland.
„Wo Kolibris schwimmen. Leben und Tod an der Ostseegrenze der DDR“
24. Juni bis 20. September 2026
Die Ostsee war in der DDR Urlaubsort und tödlich bewachte Staatsgrenze zugleich – für mindestens 135 Menschen wurde der Fluchtversuch über das Meer zum Todeskampf. Die Ausstellung zeigt Malereien von Künstlerin Marie Jeschke, die in und mit den Gewässern der ehemaligen innerdeutschen Grenze entstanden sind, sowie Fotografien ihres ungewöhnlichen Schaffensprozesses.
Foto: Stiftung Berliner Mauer, Foto: Juliane Eirich
Kunsthalle St. Annen
„Benedikte Bjerre. The Birds“
20. Juni bis 25. Oktober 2026
Hunderte heliumgefüllte Pinguin-Ballons bevölkern das Foyer der Kunsthalle St. Annen und reagieren auf die Bewegungen der Besucher und die Luftströmungen im Raum. Mit ihrer Installation THE BIRDS verbindet die dänische Künstlerin Benedikte Bjerre spielerische Leichtigkeit mit Fragen zu Massenproduktion, Konsum und den Folgen des Klimawandels. Die frei zugängliche Arbeit lädt dazu ein, sich mitten im Schwarm zu bewegen und die Installation aus immer neuen Perspektiven zu erleben.
Foto: Benedikte Bjerre, THE BIRDS / Gabriele Abbruzzese
Zeitgeschichtliches Forum Leipzig
„Platte. Leben in der Großwohnsiedlung“
3. Juli 2026 bis 17. Januar 2027
Die „Platte“ war in der DDR für viele ein lang ersehnter Wohntraum – mit eigenem Bad, Fernwärme und warmem Wasser, aber auch mit ganz eigenen Formen des Zusammenlebens. Am Beispiel von Leipzig-Grünau erzählt die Ausstellung von Alltag, Nachbarschaft und Wandel anhand persönlicher Geschichten, Fotografien und Erinnerungsstücken. Sie zeigt, wie sich das Leben in der Großwohnsiedlung nach 1990 veränderte und warum der Plattenbau heute wieder neu gedacht wird.
„Skater & Rollbrettfahrer vor und nach dem Mauerfall“
10. Juni 2026 bis 4. April 2027
Skateboarding ist mehr als Sport – es steht für ein Lebensgefühl und eine besondere Art, Städte zu erobern. Die Ausstellung in der Kulturbrauerei zeigt Fotografien des „Stern“-Fotografen Harald Schmitt sowie der Szenefotografen Thomas Kalak und Helge Tscharn. Zusammen mit Objekten aus Ost- und Westdeutschland machen sie sichtbar, wie sich die Skateboard-Szene vor und nach 1989 entwickelte.
Foto: Stiftung Haus der Geschichte / Helge Tscharn
Schiller-Museum
„Faust. Eine Ausstellung“
1. Mai 2025 bis 1. November 2027
Goethes Faust erzählt von Allwissenheit, ewiger Jugend, Macht und der Ausbeutung der Natur – und berührt damit erstaunlich aktuelle Fragen. Die interaktive und multimediale Sonderausstellung im Schiller-Museum in Weimar verbindet historische Objekte aus Goethes Natur- und Kunstsammlungen mit Typografie, Comics und einer Collage aus Faust-Verfilmungen.
Erwachsene 8,00 Euro / ermäßigt 6,00 Euro / Jugendliche (16–20 Jahre) 3,00 Euro
„1941. Juni-Briefe. Ungelesene Feldpost aus Kamjanez-Podilskyj“
19. Juni 2026 bis 10. Januar 2027
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die letzte Leerung des Briefkastens im Postamt von Kamjanez-Podilskyj in der heutigen Ukraine im Juni 1941: Die dort eingeworfenen Briefe wurden nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion nie zugestellt. Ausgewählte Feldpostbriefe geben Einblick in die Lebens- und Gefühlswelt von Soldaten der Roten Armee sowie der Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt und erzählen von dem Moment, in dem der Krieg ihr Leben grundlegend veränderte.
„Schwerer Stoff. Frauen – Trachten – Lebensgeschichten“
24. April 2026 bis 29. März 2027
Die Ausstellung nimmt die Kleidung der Donauschwäbinnen und Donauschwaben, die sich vom späten 17. bis ins 19. Jahrhundert im Königreich Ungarn niederließen, zum Ausgangspunkt, um den Alltag und die Lebensgeschichten von Frauen und Mädchen sichtbar zu machen. Trachten, Fotografien und weitere Objekte erzählen von Zugehörigkeit, persönlichen Erinnerungen und gesellschaftlichen Regeln – und schlagen zugleich eine Verbindung zu heutigen Fragen von Identität, Migration und textilem Upcycling.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Christian Krug
Liebermann-Villa am Wannsee
„Im Fokus. Liebermanns Pastelle. Eine Welt in Kreide“
6. Juni bis 21. September 2026
Mehr als hundert Pastelle schuf Max Liebermann im Laufe seines Lebens – von Landschaften an der holländischen Küste bis zu Szenen aus seinem Garten am Wannsee. Die Ausstellung widmet sich dieser bislang weniger beachteten Werkgruppe und macht die besondere Leuchtkraft und Unmittelbarkeit von Liebermanns Pastellen erlebbar. Dabei wird deutlich, welchen eigenständigen Stellenwert das Medium in Liebermanns künstlerischem Schaffen einnahm.
Erwachsene 12,00 Euro / ermäßigt 6,00 Euro / kostenfrei für Jugendliche unter 18 Jahren
Foto: Max Liebermann, Blumenbeet im Wannseegarten mit Blick auf den Fischotterbrunnen,
1919, Pastell auf Velin, Privatbesitz
Bundeskunsthalle Bonn
„Sex Work. Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit“
2. April bis 25. Oktober 2026
Wie über Sexarbeit gesprochen wird, verrät viel über die Werte, Machtverhältnisse und Geschlechterbilder einer Gesellschaft. Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Sexarbeit gemeinsam mit einem Kollektiv forschender Sexarbeiter und verbindet Kunst, historische Zeugnisse und Archivmaterial mit den Perspektiven derjenigen, um die es geht. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Selbstbestimmung, Stigmatisierung und Arbeitsrechten sowie danach, wer Geschichte erzählt und wer darin sichtbar wird.
Empfehlung: Besuch ab 16 Jahren
Erwachsene 14,00 Euro /ermäßigt 7,00 Euro / kostenfrei für Jugendliche unter 18 Jahre
Die Helmut Newton Foundation richtet mit „Rooms / Stages“ den Blick auf den Raum als eigenständiges fotografisches Motiv. Die Gruppenausstellung im Berliner Museum für Fotografie zeigt inszenierte Porträts, menschenleere Interieurs und Bühnenräume verschiedener Künstlerinnen und Künstler und führt anschließend zu Helmut Newtons Mode- und Bühnenfotografien aus den 1960er- bis 1990er-Jahren. Mit Fotografien, Polaroids und großformatigen Wandtapeten wird sichtbar, wie Räume zu atmosphärischen Bühnen für Menschen, Mode und imaginierte Geschichten werden.
Erwachsene 12,00 Euro / ermäßigt 6,00 Euro / kostenfrei für Jugendliche unter 18 Jahren
„Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung“
8. Mai 2026 bis 31. Oktober 2027
Wie lässt sich deutsche Geschichte anhand von Objekten erzählen? Die Ausstellung zeigt rund 200 ausgewählte Objekte aus der Sammlung des DHM – von einem Königsberger Brettspielkasten aus Bernstein aus dem Jahr 1607 bis zum Stockbett aus einer Geflüchtetenunterkunft von 2015. Dabei geht es nicht nur um die Herkunft und Bedeutung der Exponate, sondern auch um die Geschichte des Museums selbst sowie um Orte, Grenzen, Flucht, Handel und Herrschaftsräume.
Erwachsene 7,00 Euro / ermäßigt 3,50 Euro / kostenfrei für Jugendliche unter 18 Jahren